Ö1

Radiokolleg - Erkundungen des literarischen Feldes

Beziehungen, Business und Bedeutungen (1). Gestaltung: Peter Zimmermann Man kann es System nennen oder Raum, aber das Feld ist eine anschauliche Metapher für einen Bereich, der einerseits in sich geschlossen ist, der nach bestimmten Regeln funktioniert und dessen Grenzen dennoch nicht klar gezogen sind. Man kann ein Feld sanktionsfrei betreten und es wieder verlassen, sofern keine Autorität Sanktionen verhängt. Das ist in der Regel eine politische Autorität, ein Führer, ein Diktator, unter dessen Herrschaft Gebote und Verbote verhängt werden, die keinerlei Autonomie zulassen. Das literarische Feld, wie wir es in einem westlich-demokratischen Staat vorfinden, ist in Europa und in den USA in vielerlei Hinsicht ähnlich strukturiert, in vielen Details jedoch geprägt von regionalen Eigenheiten. Und die sind kulturell gewachsen. Der Globalisierung zum Trotz funktioniert das literarische Feld noch sehr traditionell, anders als etwa das Feld der Kunst. Dort hat Internationalität einen anderen Stellenwert. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Erstens: Der Marktwert von Literatur ist, mit wenigen Ausnahmen, als bescheiden zu veranschlagen. Zweitens: Die Sprache der Literatur ist nicht universell. Das heißt: auch wenn sie von Erfahrungen handelt, die alle Menschen gemacht haben oder machen können - Liebe, Tod, Verrat und so weiter - muss sie in irgendeiner Weise verortet sein. Folgende Fragen sind zu stellen: Was ist ein Schriftsteller und wie wird man zu einem? Was ist der Sinn von Literatur? Ist sie abhängig von ihren Entstehungsbedingungen? In welcher Beziehung stehen die Akteure des Feldes zueinander, also Autoren, Verlage, Medien, Veranstalter, Leser?
Montag 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

Herbert WehnerPrägende Köpfe der Bonner Republik Herbert Wehner - "Sie werden die Puppen noch tanzen erleben" Autorin und Regie: Dorit Kreissl Er war der Mann mit der Pfeife, Fuhrman und Zuchtmeister der SPD und ein Jahrhundertpolitiker. Herber Wehner hat die SPD in den Nachkriegs-Jahren entscheidend geprägt, sie regierungsfähig gemacht und in die Große Koalition geführt. Zeitlebens wurde ihm allerdings seine Vergangenheit als Kommunist vorgehalten: Der gebürtige Dresdner engagiert sich zunächst bei den Anarchisten, bevor er als 20-jähriger der KPD beitritt und in der Partei schnell Karriere macht. Im Untergrund organisiert er den Widerstand gegen die Nationalsozialisten, wird von der Gestapo gesucht und flieht nach Moskau. Im vierjährigen Exil überlebt er das Terror-Regime Stalins, in dem jeder jeden denunziert. 1941 reist er illegal nach Schweden ein, wird verhaftet und für drei Jahre eingesperrt. Nach dem Krieg tritt Wehner der SPD bei. Bald bestimmt er die Geschicke der Partei, vor allem in seiner Funktion als Fraktionsvorsitzender. Dem Politiker Wehner liegen vor allem die Wiedervereinigung und soziale Gerechtigkeit am Herzen. Er macht Willy Brandt zum Kanzler-Kandidaten, gerät aber in der Guillaume-Affäre in den Ruf des Königsmörders. 34 Jahre lang gehört er dem Bundestag an, liefert er sich heftige Redeschlachten vor allem mit Franz-Josef-Strauß, kassiert als "König der Zwischenrufer" die meisten Ordnungsrufe und ist berühmt als Namensschöpfer. Den Abgeordneten Wohlrabe tauft er "Übelkrähe", aus Todenhöfer macht er "Hodentöter" und den Journalisten Ernst Dieter Lueg spricht er mit "Werter Herr Lüg" an. Wehners Zornausbrüche sind gefürchtet, er teilt aus, muss aber auch viel einstecken. Der leidenschaftliche Parlamentarier leidet im Alter an einer Multi-Infarkt-Demenz. Herbert Wehner stirbt am 19. Januar 1990 in Bad Godesberg. Eugen Kogon - Das Gewissen der alten Bundesrepublik Autor und Regie: Rainer Volk Meist fallen Namen wie Adenauer, Heuss, Schumacher oder Schmid, wenn es um die Gründerväter der Bundesrepublik geht. Doch brauchte es nach 1945 nicht nur Politiker, um Deutschland wieder in die Staatenwelt zu integrieren, sondern auch Intellektuelle wie Eugen Kogon. Der streng katholisch erzogene Diplomatensohn (1903 - 1987) war bekennender Nazi-Gegner und kam deshalb 1939 ins KZ Buchenwald. Kogon überlebte als Arztschreiber und verfasste, kaum dass der Krieg vorbei war, den ersten Klassiker über die NS-Verbrechen: "Der SS-Staat". Vor allem aber engagierte er sich publizistisch für den Wiederaufbau der Demokratie in Deutschland. Mit Walter Dirks gründete Kogon die "Frankfurter Hefte" - das wohl wichtigste intellektuelle Debattenforum der Bundesrepublik in den 50er und 60er Jahren. Oft als "Linkskatholik" bezeichnet befürwortete er die Integration der Bundesrepublik in europäische Strukturen, setzte sich für die Aussöhnung mit Polen und der Sowjetunion ein und unterstützte die sozialliberale Koalition Brandt-Scheel. Eine Professur für Politikwissenschaft und eine kurze Zeit als Fernseh-Redakteur zeigen: Eugen Kogon war ein rastloser Mann, dem die Bundesrepublik viel verdankt. Moderation: Thies Marsen Redaktion: Thomas Morawetz
Montag 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Equus

Von Pferden und Menschen (1). Gestaltung: Sarah Kriesche "Der Exodus des Pferdes aus der Menschengeschichte ist ein erstaunlich unbeachteter Vorgang. Ganze Bibliotheken zur Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts schweigen sich aus über das Pferd, das gleichwohl in Europa und Amerika allgegenwärtig war - bis das letzte Jahrhundert der Pferde in der Zeit Napoleons anbricht und mit dem Ersten Weltkrieg ausklingt.", so der Autor Ulrich Raulff in seinem Buch "Das letzte Jahrhundert der Pferde", in welchem er die Auflösung der "Arbeitsgemeinschaft" zwischen Mensch und Pferd im Lauf der Jahrhunderte beleuchtet. Das "Ö1 Radiokolleg" begibt sich auf die Spuren des Miteinanders von Mensch und Pferd und beleuchtet seine Rolle in der Wirtschaft, der Kunst, aber auch der Kultur, die mit ihnen einhergeht. Vor allem Reiterstatuen, die Stadtbilder mitgestalten, erinnern an die Zeit und die Rolle des Pferdes vor seinem Wandel vom Nutz- zum Haustier; Sie waren nicht nur das Symbol für die Größe und die Stärke eines Herrschers, sondern auch kriegsentscheidend. Ohne Pferde wären die Strecken, die es zur Eroberung und Verteidigung von Gebieten gebraucht hatte, nicht zu bewältigen gewesen. Manch besonders edlem Ross wurde dementsprechende Ehre zuteil. Bukephalos etwa, der Hengst von Alexander dem Großen, bekam eine eigene Bestattung in einem prunkvollen Mausoleum. Ihm zu Ehren gründete Alexander außerdem die Stadt Alexandreia Bukephalos, das heutige Jhemal in Pakistan. Der größenwahnsinnige Caligula ließ seinem Lieblingspferd "Incitatus" bereits zu Lebzeiten einen eigenen Palast bauen. Das Rennpferd besaß eigene Diener, kostbare Möbel, ein Halsband aus Edelsteinen und trank bei Festen aus goldenen Pokalen. Ein ständiger Sitz im Senat wurde vereitelt, da sein Herr ermordet wurde, bevor er Incitatus - wie geplant- zum Konsul ernennen konnte. Auch in der Mythologie und Sagenwelt ist das Pferd - und alle daraus entstehenden Fantasieformen - quasi ein Fixbestandteil. Zentauren, Einhörner oder fliegende Pferde sind ständige Begleiter in Mythen, Märchen und Göttersagen, durch die man die Welt und Naturerscheinungen erklärbar machen wollte. Bis heute prägen ihre Legenden Kulturen. Sleipnier etwa, der "Dahingleitende", war das achtbeinige Pferd des nordischen Gottes Odin. Einmal stolperte er, konnte sich aber fangen, indem er seinen Fuß auf Nordirland setzte. Bis heute ist sein Hufabdruck, in Form der Ásbyrgi-Schlucht zu sehen. Ob in den Massenmedien und Serien wie "Fury" oder "Black Beauty", im Sprachgebrauch, wo man das Pferd lieber nicht von hinten aufzäumen will, thematisch gut beschlagen ist und dem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, bis hin zu einem der berühmtesten Wahrzeichen Wiens - den Lippizanern - selten hat ein Miteinander von Mensch und Tier Kulturen so intensiv und nachhaltig geprägt.
Montag 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Horizontal und vertikal

MelodikVon Melodik und Harmonik (1). Gestaltung: Martin Adel Wer wüsste nicht, was eine Melodie ist? - man singt, pfeift, spielt sie nach; man erkennt sie wieder; oder sie sitzt einem als Ohrwurm im Kopf. Man könnte sie auch einfach definieren als zeitliche Tonfolge, die von bestimmten Tonintervallen und Rhythmus strukturiert und charakterisiert ist. Man könnte auch von einer typischen Melodik der italienischen Oper (beispielsweise) sprechen; - aber Verfeinerungen dieser Art machen die Sache im Prinzip nicht anders, nur schwerer zu beschreiben. Tatsächlich komplizierter ist es da mit der Harmonik! Die Harmonik regelt - ganz grob gesprochen - den Zusammenklang mehrerer Töne, d.h. Mehrstimmigkeit, allerdings angefangen von der frühen Mehrstimmigkeit des (europäischen) Mittelalters bis hin zu den Klangstrukturen der Avantgarden. So ist auch eine der vielen Fragen, die sich über das lange wechselseitige Verhältnis von Melodie und Harmonie auftun, nicht zuletzt diese: Haben nicht gerade diese Avantgarden immer wieder versucht, den "Spieß" umzukehren und eine Musik ohne Melodie zu komponieren? Oder auch jene andere Frage: Weltharmonie, Weltharmonik - wie, was, wann, wo? Harmonie ist doch "einigermaßen" der Gegensatz zu Chaos, d.h. geordnet, regelhaft, im traditionellen Sinne aber jedenfalls "wohl proportioniert" oder auch um Spannungsausgleich bemüht! Zumindest Letzteres kann man von der Harmonik gerade nicht behaupten. Vielleicht sind dafür unsere "Ohrwascheln" "von-Haus-aus" zu sehr melodieorientiert, womit das Komponieren und (Zu-)Hören von harmonischen Klanggebilden zur (steigerungsfähigen) hohen Kulturleistung avanciert? Man wird vermutlich nicht falsch liegen mit der These, dass die Herausforderungen des Komponierens - im Laufe der Jahrhunderte - deren melodische Schöpfungen zwar keineswegs obsolet gemacht, aber deren harmonische Komplexität und Kompliziertheit haben steigen lassen. Immerhin scheint es zu kurz gegriffen, wollte man der Melodik das Gefühl zuschreiben und der Harmonik das intellektuelle Vergnügen an musikalischer Artistik.
Montag 09:45 Uhr

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WDR5

Neugier genügt

Migranten MaliFeature: Migranten aus Mali entwickeln ihre Heimat Redezeit mit Herzchirurgin Dilek Gürsoy, Herzchirurgin: Pionierin der Herzchirurgie Wiederholung: Di 04.05 Uhr
Montag 10:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

BurgenOrte wie ausgestorben Burgen in neuem Licht - Mehr Protz als Trutz Autor: Matthias Hennies /Regie: Sabine Kienhöfer Oft sind sie längst ein Teil der Natur geworden: Tief im Wald gelegen, die Mauern von Efeu überwuchert, Turmstümpfe in Dornenranken versteckt, regen Burgruinen unweigerlich die Phantasie an. Phantasie ist aber auch vieles, was man über die trutzigen Adelssitze zu wissen glaubt: Dass der Bergfried die letzte Zuflucht war, dass die Zinnen zum Schutz der Verteidiger erfunden wurden oder dass eine Burg im Mittelalter genauso grau aussah wie heute die zerfallenen Ruinen - das alles hat die Forschung widerlegt: Burgen dienten ebenso sehr der Repräsentation, ja der Protzerei wie der Verteidigung. Zudem entdecken jetzt Archäologen zahllose Reste bisher unbekannter Burgen, Bauforscher bewerten die Entwicklung ihrer Architektur neu, und Historiker debattieren über die Bedeutung der Befestigungen für den machthungrigen Adel. Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit korrigiert die Burgenforschung nicht nur weit verbreitete Vorurteile über Burgen, sondern ordnet den Anlagen auch neue Funktionen in der mittelalterlichen Gesellschaft zu. Lost Places "Verlorene Orte" zwischen Zerfall und Erinnerung Autorin: Felicia Englmann / Regie: Martin Trauner Eine Stadt, ein Dorf, ein Weiler - verschwunden. Von manchen bleibt ein Name, von anderen Mauerreste, von wieder anderen nur ein fernes Echo in der kollektiven Erinnerung und das Gefühl, dass etwas Schreckliches passiert sein muss. Feuer, Krieg, Pest, Mord, Spuk ... warum sonst würden Menschen einfach so einen Ort aufgeben? "Verlorene Orte" in Bayern sind etwa Lindelach in Unterfranken, Staucharting, Ramsee, Hinterkaifeck und Manching in Oberbayern und Fall in den Alpen. Solche sogenannten "Lost Places" faszinieren Einheimische und Besucher wegen der Geschichten, die in Jahren und Jahrhunderten wie Pflanzen über ihre Mauerreste über die wahre Geschichte gewachsen sind. Für die Archäologie sind aufgegebene Siedlungen Fenster in die Vergangenheit, denn die Orte sind so erhalten wie zu dem Zeitpunkt, als sie untergingen. Archäologen finden dabei oft heraus, dass die Schauergeschichten und Erinnerungen gar nicht stimmen, sondern die Fantasie mit den Menschen durchgegangen ist, während die wahren Gründe, eine Siedlung zu verlassen, sehr praktisch sein können. Moderation: Florian Kummert Redaktion Thomas Morawetz
Montag 15:05 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Im Räderwerk der Demokratie Die stillen Helfer in Bundestagsbüros Von Frank Drescher In einem Kleinbetrieb zu arbeiten, ist nicht jedermanns Sache: Man lernt Chef und Kollegen besser kennen, als einem lieb ist. Der Unternehmenserfolg hängt zu einem großen Teil von einem selbst ab, weswegen man sich vielleicht öfter auf Überstunden und Arbeit außerhalb der üblichen Bürozeiten einlässt, als es der Familie recht ist. Und das alles mit einem Arbeitsvertrag, der immer befristet ist und sogar dann früher als vereinbart enden kann, wenn der Chef nicht nur geschäftlich, sondern auch privat bei Verfehlungen ertappt wird. Als solche Kleinbetriebe sind auch die Büros der 709 Bundestagsabgeordneten organisiert. Sie beschäftigen rund 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verlangen absolute Loyalität von ihnen. Bürokorrespondenz, Medienkontakte, Terminplanung und vieles mehr laufen über den Schreibtisch der Abgeordneten-Mitarbeiter. Der Wahlabend ist für sie besonders aufregend, schließlich hängt ihre Existenz von seinem Ausgang ab. Mit welchen Hoffnungen und Idealen treten die Mitarbeiter ihre Jobs an? Und wie viel lässt der real existierende Politikbetrieb davon nach ein paar Jahren übrig?
Montag 19:30 Uhr

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WDR5

Dok 5 - Das Feature

kleinanzeigenDeutschland in Kleinanzeigen Von Martina Schulte Aufnahme WDR/SWR/rbb/DLF 2014 Absturz, Einsamkeit und Neubeginn, Liebe, Erleuchtung und der Suche nach Zugehörigkeit. Ob Such-, Kauf- oder Verkaufsannoncen; ob gedruckt oder digital: Kleinanzeigen geben Auskunft über die soziale und emotionale Wirklichkeit der Republik. Die Autorin hat Hunderte von Annoncen zwischen Uelzen und München, Frankfurt/Oder und Krefeld gesichtet und nach der "Geschichte dahinter" gesucht. Sie traf u. a. auf Sinn suchende Jugendliche, einsame Manager, alternde Schönheitschirurgen, eine Engelheilerin, einen Callboy und einen Hospizclown
Montag 20:05 Uhr

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NDR Info

Das Forum

Vergessene Seelen Wie Kinder zu Versuchsobjekten wurden Feature von Eike Lüthje, Christian Schipsmeier und Julia Schumacher
Montag 20:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

equusErkundungen des literarischen Feldes. Beziehungen, Business und Bedeutungen (1). Gestaltung: Peter Zimmermann Equus. Von Pferden und Menschen (1). Gestaltung: Sarah Kriesche Horizontal und vertikal. Von Melodik und Harmonik (1). Gestaltung: Martin Adel
Montag 22:08 Uhr

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