Ö1

Radiokolleg - Die Wiederverzauberung der Welt

Esoterik zwischen Lifestyle und Pseudoreligion (4). Gestaltung: Günter Kaindlstorfer Die Esoterikbranche brummt. 25 bis 30 Milliarden Euro setzen Astrologen, Raumenergetikerinnen, Wünschelrutengänger, Aura-Analytiker und Kristallheilerinnen allein im deutschen Sprachraum Jahr für Jahr um. Im Vergleich dazu: der Buchhandel kommt auf einen Jahresumsatz von gerade einmal 9 Milliarden. Bei allen inhaltlichen Differenzen: Die diversen esoterischen Schulen teilen einige "philosophische" Grundannahmen. Der Berliner Religionswissenschaftler Hartmut Zinser fasst die esoterischen Grundprinzipien so zusammen: "Alles im Kosmos steht mit allem in Verbindung, die verschiedenen Sphären sind durch das Analogie-Prinzip miteinander verbunden. ,Wie oben, so unten", so lautet eines der esoterischen Axiome, oder: ,wie im Mikrokosmos, so im Makrokosmos". Für Atome, Alltagsgegenstände und die menschliche Psyche gelten aus esoterischer Perspektive die gleichen Gesetze und Regeln. Deshalb kann man durch geistige Energien, so glauben Esoteriker, auf die materielle Welt einwirken". Von den Wissenschaften belächelt und den Kirchen bekämpft haben sich esoterische Heils- und Erlösungslehren - vor allem seit dem krisenhaften Niedergang der christlichen Religionen - einen festen Platz in den Herzen und Hirnen der Menschen erkämpft. Einer Umfrage des Linzer Market-Instituts zufolge glauben 72 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher an die "Macht des Karmas", 60 Prozent an die Wirkungsmacht spiritueller "Kraftplätze" und immerhin noch 45 Prozent vertrauen den seherischen Qualitäten von Wünschelrutengängern, während nur 39 Prozent an den christlichen Gott und 20 Prozent an die Auferstehung Christi glauben. Warum aber sind esoterische Phantasmagorien so erfolgreich? Zum einen, darauf weisen Religionswissenschafter und Psychologen immer wieder hin, arbeiten Esoteriker an einer "Wiederverzauberung der Welt", was in Zeiten eines platten Materialismus verführerisch auf viele wirkt. Zum anderen befördert die Esoterik narzisstische Allmachtsphantasien - eine Reaktion auf archaische Angst- und Ohnmachtsgefühle. Esoterische Heilslehren führen zu einem Aufblähen des Individuums, sie sagen dem Menschen: Du bist alles, du kannst alles, das ganze Universum dreht sich um dich, und Engel oder andere Mächte des Lichts umkreisen dich wie ein Bienenvolk, wenn du nur die richtige - esoterische - Einstellung an den Tag legst". Und wer hätte das nicht gern, dass sich das ganze Universum um ihn dreht?
Donnerstag 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

SymbiosenPrinzip Kooperation Symbiosen Vom Miteinander in der Natur Das große Insektensterben Was uns verloren geht Das Kalenderblatt 27.9.1804 Josef Pichler führt Erstbesteigung des Ortlers durch Von Regina Fanderl Symbiosen - Vom Miteinander in der Natur Autorin und Regie: Sabine Kienhöfer Sie begann vor Millionen von Jahren und machte Pflanzen, Tiere und auch den Menschen erst möglich: die Symbiose. Dieses Prinzip des Zusammenlebens verschiedener Arten von Lebewesen dient dem Überleben und funktioniert nur dann, wenn beide Partner einen Nutzen daraus ziehen. Manche Symbiosen sind locker und unverbindlich, andere dagegen so eng, dass die Partner wie eine Einheit wirken. Symbiotische Beziehungen durchziehen die gesamte Natur: Bakterien versorgen Pflanzen mit lebenswichtigem Stickstoff und erhalten von ihnen als Gegenleistung Zucker. Pilzgeflechte im Boden tauschen mit Bäumen Nährstoffe und Mineralien aus. Insekten bestäuben Pflanzen und werden dafür mit Pollen und Nektar versorgt. Krokodile beschützen Vogelnester und kommen dafür in den Genuss von Fischen. Und auch wir Menschen sind Teil der Symbiose. In und auf uns gibt es etwa zehn mal mehr Bakterien, Viren und Pilze, als der menschliche Körper Zellen hat. Ohne diese Lebensgemeinschaft würden auch wir nicht überleben. Das große Insektensterben - Was uns verloren geht Autorin Renate Ell / Regie: Sabine Kienhöfer 75 Prozent weniger Fluginsekten als 1989 - diese Meldung rüttelt auf. Zwar basiert sie nur auf Zählungen in Nordrhein-Westfalen, aber Fachleute widersprechen nicht der Vermutung, dass es in anderen Teilen Deutschlands ähnliche Entwicklungen gab. Dafür sprechen Beobachtungsdaten ebenso wie die Tatsache, dass die Landschaft in den letzten Jahrzehnten überall durch immer mehr Straßen und Siedlungen zerstückelt, die Agrarlandschaft überall eintöniger wurde. Bunt blühende Wiesen etwa, der wichtigste Lebensraum für viele Insekten, sind häufig monotonen "Grasäckern" gewichen oder wurden gleich in Maisfelder umgewandelt. Insekten bilden das Fundament unserer Ökosysteme, als Bestäuber, als Futter für Vögel und andere Kleintiere, als "Abfall-Recycler". Fast eine Million Arten sind bekannt - Fachleute schätzen aufgrund von Stichproben, dass es weit mehr gibt. Und die Zahl der einzelnen Tiere übersteigt unser Vorstellungsvermögen. Welche Folgen hat es für die Ökosysteme, wenn innerhalb relativ kurzer Zeit ein großer Teil der Insekten verschwindet, wenn einzelne Arten nicht mehr vorkommen? Und wie könnte man diese Entwicklung aufhalten? Moderation: Yvonne Maier Redaktion: Gerda Kuhn
Donnerstag 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Steile Bewirtschaftung

BergbauernhöfeBergbauernbetriebe in Österreich (4). Gestaltung: Andreas Wolf Dass Menschen auf Bergen siedelten war das Ergebnis eines Verdrängungswettbewerbes um die besten Lagen in den Tälern. Heute werden die, oft aus Holz gebauten Höfe, als idyllische Postkartenensembles für den Fremdenverkehr in Szene gesetzt. Doch das Leben auf Bergbauernhöfen war Jahrhunderte lang überaus hart und entbehrungsreich. Im Winter waren die Höfe oft Monate lang von der Außenwelt abgeschnitten. In den oft bis zu 30 Personen umfassenden Hausgemeinschaften stand physische und psychische Gewalt an der Tagesordnung. Auf historischen Höfen lassen sich die Sozialdramen vergangener Zeiten an Hand von getrennten Küchen rekonstruieren. In diesem oft einzigen beheizten Raum war es stickig und heiß, dementsprechend brüteten dort auch Hühner. Der Gestank von Fäkalien durchdrang die Gehöfte, denn die wärmespendenden Ställe waren direkt mit den Häusern verbunden. Hunger und daraus resultierende Mangelerkrankungen waren ständige Begleiter. In manchen Regionen trug auch das Erbrecht zur Verelendung der Bauern bei. Der Alltag wurde von landwirtschaftlichen Tätigkeiten, einem strengen Katholizismus und Aberglauben bestimmt. Armenfürsorge gab es beinahe keine. Alte Mägde und Knechte gingen zur "Einlage". Dabei mussten sie von fremden Bauern mitversorgt und untergebracht werden. Dementsprechend schlecht wurden die "zusätzlichen Esser" oft behandelt. Mit der Hofübergabe verloren Altbauern ihre Machtstellung, weshalb sie diese häufig bis zuletzt hinauszögerten. Heute werden Bergbauernbetriebe in Katasterplänen erfasst. An Hand der u. a. zu bewirtschaftenden Fläche, der Klimazone und der Hangneigung erfolgt die Einteilung in Erschwerniszonen die als Bemessungsgrundlage für EU-Förderungen dienen. In den vergangenen Jahrzehnten vollzog sich in der Bergbauernwirtschaft ein Wandel von der Produktion zur Landschaftspflege. Durch die Beweidung hochgelegener Flächen wird das Auftreten von Hangrutschungen verhindert und die Verwaldung verzögert. Viele Betriebe versuchen ihre landwirtschaftlichen Produkte als Direktvermarkter zu verkaufen. Damit entgehen sie dem Preisdruck von Großhandelsketten. Ein weiteres Segment, dass viele Bergbauern für sich erschlossen haben ist der Tourismus. Häufig existieren Kooperationen mit lokalen Tourismusverbänden. Angeboten wird ein vielfältiges Programm, dass vom klassischen Urlaub am Bauernhof, bis zur Mithilfe auf Almen reicht.
Donnerstag 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Komponisten komplett!

Iljitsch TschaikowskiGesamtausgaben von Mozart bis Tschaikowksy (4). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch 200 CDs und zwei Bücher umfasste die Gesamtedition von Wolfgang Amadeus Mozarts Schaffen. Die inhaltlich und kilomäßig gewichtige Box erschien zum 225. Todestag des Komponisten im Jahr 2016 und war das Ergebnis intensiver Archivrecherchen führender Musiklabels. Bereits in den vorangegangenen eineinhalb Jahrzehnten kamen zwei Gesamteditionen der Lieder von Franz Schubert heraus. Angelegt waren sie nach unterschiedlichen Ordnungsprinzipien: Nach Textdichtern, Themen, Liederjahren in der einen Version, nach Dichtern und Dichterkreisen in der anderen. Für Liebhaber und Experten klassischer Musik sind solche umfassende Werkausgaben ein unermesslicher Schatz, für die Musikgeschichte stellen sie äußerst wertvolle Dokumente dar. Bereits seit 1993 bemüht sich Schott Music, gemeinsam mit russischen Partnern die Gesamtedition von Peter Iljitsch Tschaikowski zu realisieren, schließlich gehört der russische Komponist zu den bedeutendsten und meistaufgeführten Künstlern weltweit. Erste Bände erschienen bald, doch dann ruhten die Bemühungen. Man wollte das Projekt überarbeiten und möglichst alle einschlägigen russischen Institutionen mit einbeziehen. Mittels eines deutsch-russischen Kooperationsvertrags konnte man sich die ideelle und wirtschaftliche Unterstützung des russischen Staates sichern. Die Experten sind zuversichtlich, dass sie nun alle Anforderungen einer modernen wissenschaftlichen Gesamtausgabe erfüllen können. 120 Bände soll die Edition umfassen und mit russischen und englischen Texten erscheinen.
Donnerstag 09:45 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

koalaNahrungsspezialisten und ihre Lebensgrundlage Der Koala Feinschmecker mit Eukalyptus-Stammbaum Der Eukalyptus Ein umstrittener Baum Das Kalenderblatt 27.9.1804 Josef Pichler führt Erstbesteigung des Ortlers durch Von Regina Fanderl Der Koala - Feinschmecker mit Eukalyptus-Stammbaum Autorin: Margarete Blümel / Regie: Sabine Kienhöfer Koala: "trinkt nicht". Mit dieser - wörtlich-korrekten - Übersetzung aus einer Aborigine-Sprache nimmt das Missverständnis in Sachen "Koala-Bären" seinen Lauf. Denn: Koalas beziehen zwar einen Gutteil ihres Flüssigkeitsbedarfs aus ihrem Leibgericht, einer Auswahl ganz bestimmter Eukalyptusblätter. Dennoch sind die nachtaktiven Baumbewohner aber zusätzlich auf Wasser angewiesen. Außerdem sind die Vertreter der australischen Ikone keine Bären, sondern Beuteltiere. Und: Wer dieser Spezies Faulheit unterstellt, tut dem Koala Unrecht. Koalas verbringen den größten Teil des Tages im Energiespar-Modus auf ihrem Eukalyptus-Stammbaum, weil ihre Blättermahlzeit ihnen zwar viele Ballaststoffe und harte Fasern, aber nur einen geringen Nährwert beschert. Das machen die Tiere mit einem langsamen Stoffwechsel wett, der ihren Energiebedarf reduziert und das Futter besonders lange im Verdauungsapparat speichert. Diese Umstände machen die possierlich wirkenden Beuteltiere aber auch besonders anfällig. Weil sie nicht schnell genug sind, fallen sie Buschbränden zum Opfer. Oder sie sterben, weil ihre Nahrungs- und Schlafbäume abgeholzt werden und sie auf der Futtersuche auf Hunde und Füchse treffen. Deshalb werden die silbrig-grauen Baumbewohner in ihrer Heimat mithilfe neu aufgelegter Programme besonders geschützt. Schließlich sind sie, wie es im Volksmund heißt, "Koalas, the little Australians we"d all hate to lose" - "die kleinen Australier, die wir alle nicht missen möchten". Der Eukalyptus - Ein umstrittener Baum Autorin: Christiane Seiler / Regie: Eva Demmelhuber Niedliche Koalabären, schleimlösende Eukalyptusbonbons, Bodenerosion durch Plantagenwirtschaft - der Eukalyptus ruft widersprüchliche Assoziationen hervor. Wer weiß aber, dass der Eukalyptus in vieler Hinsicht ein Baum der Superlative ist? Mit über 600 bekannten Arten ist er eine der artenreichsten Baumgattungen. Außerdem kann der immergrüne Laubbaum zu erstaunlichen Höhen emporwachsen, mit bis zu 100 Metern gilt der Königseukalyptus als einer der höchsten Bäume der Welt. Erst Ende des 18. Jahrhunderts, als Australien zu einer englischen Kolonie geworden war, kamen europäische Naturkundler und Pharmakologen in Kontakt mit dem Eukalyptus und erkannten schnell die erstaunlichen Eigenschaften des Baums und die heilsamen oder schädlichen Wirkungen der zahlreichen ätherischen Öle, die der Eukalyptus hervorbringt. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts breitete sich der Eukalyptus dann über alle anderen Erdteile aus und zählt mittlerweile zu den wichtigsten "Cash Crops" weltweit - in der globalisierten Zellstoffindustrie werden damit Milliarden umgesetzt. Moderation: Yvonne Maier Redaktion: Bernhard Kastner
Donnerstag 15:05 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

chemische BotenstoffeHormongesteuert!? Über die Macht der körpereigenen Botenstoffe Von Jennifer Rieger Eine Entdeckungsreise durch die Chemiefabriken des Körpers. Sie sorgen dafür, dass wir uns satt oder hungrig, wütend oder vertrauensvoll, schläfrig oder energiegeladen fühlen: Bei fast allen Vorgängen im Körper haben chemische Botenstoffe ihre Finger im Spiel. Seit der Begriff Hormon vor etwas mehr als 100 Jahren zum ersten Mal benutzt wurde, konnten mehr als 100 solcher Botenstoffe entdeckt werden - und vermutlich produziert der menschliche Körper noch weit mehr. Wie funktionieren diese Botenstoffe und was passiert, wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten?
Donnerstag 19:30 Uhr

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Radiokolleg

KomponistenDie Wiederverzauberung der Welt. Esoterik zwischen Lifestyle und Pseudoreligion (4). Gestaltung: Günter Kaindlstorfer Steile Bewirtschaftung. Bergbauernbetriebe in Österreich (4). Gestaltung: Andreas Wolf Komponisten komplett! Gesamtausgaben von Mozart bis Tschaikowksy (4). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch
Donnerstag 22:08 Uhr

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