Ö1

Radiokolleg - Sind wir Science-Fiction?

1984Zukunftssuche in der Vergangenheit (2). Gestaltung: Julia Gindl "Das Zimmer war so gut wie leer, und doch stand es mit allem in Verbindung, was Vashti wichtig war. Als Nächstes betätigte sie wieder den Isolationsknopf, und die Anfragen der letzten drei Minuten stürzten auf sie ein. Der Raum war vom Lärm der Klingeln und Kommunikationsröhren erfüllt. Wie ist das neue Essen? Kannst du es empfehlen? Hast du Ideen gehabt in letzter Zeit?" Man könnte meinen der britische Autor E.M. Forster umschreibt hier das Soziale Netzwerk Facebook und dessen nervige Dauerfrage "Was machst du gerade?". Fosters Erzählung "Die Maschine steht still" ist jedoch im Jahr 1909 erschienen. Die beiden Protagonisten sitzen da isoliert vor blassblauen Bildschirmen und sind von "DER MASCHINE" abhängig, über die sie kommunizieren, Informationen empfangen und alles Notwendige bestellen. 1970 ist der britische Schriftsteller gestorben, lange vor Instant Messaging, Videotelefonie und sozialen Netzwerken. Forster hat in seiner dystopischen Erzählung das Internet und heutige technologische Möglichkeiten vorweggenommen, er thematisiert Technikgläubigkeit und man könnte "Die Maschine steht still" auch als frühe Version von George Orwells "1984" lesen. Der US-amerikanische Informatiker Jaron Larnier bezeichnet Forsters Erzählung sogar als früheste und wahrscheinlich auch heute noch treffendste Beschreibung des Internets. Was wurde aus den Wunschvorstellungen vom Internet als Raum der Freiheit und Demokratie? Welche Technik-Utopien aus Film und Literatur sind bereits eingelöst worden? Und wie beeinflussen philosophische Theorien, künstlerische Werke und Phantasien die Entwicklung von Technologien und unseren Umgang damit. Was projizieren wir in all die smarten Dinge, die uns umgeben hinein und woher kommen diese Bilder? In E.M. Forsters Erzählung versagen die Maschinen schlussendlich, weil sie niemand mehr kontrollieren kann. Julia Gindl begibt sich auf Zukunftssuche in der Vergangenheit, entdeckt dabei Quellen in Literatur, Film und Kunst und vergleicht die Welt der Phantasie mit einer von Technologie mehr und mehr determinierten Realität.
Dienstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen

PseudonymNamen - Markenzeichen oder Schall und Rauch? Das Pseudonym Geheimnis oder Verkaufsstrategie? Sugarman Der Musiker Sixto Díaz Rodríguez Das Kalenderblatt 23.1.1777 Dichter Christian Schubart verhaftet, der "scheintote" Dichter Von Isabella Arcucci Das Pseudonym - Geheimnis oder Verkaufsstrategie? Autor und Regie: Martin Trauner Was ist der echte Name? Hermann Hesse oder Emil Sinclair? Natürlich: Hermann Hesse. Emil Sinclair war nur ein Pseudonym, unter dem Hesse einen literarischen Neuanfang versuchte. Die meisten Künstler machen um ihr Pseudonym kein großes Geheimnis, doch bei einigen löst die Suche nach dem realen Menschen hinter dem Phantasienamen eine wahre Detektivjagd aus: etwa bei Elena Ferrante. 2016 glaubte ein italienischer Journalist, die Autorin, die das Rampenlicht meiden wollte, enttarnt zu haben. Die meisten freilich wählen ihr Pseudonym aus ganz pragmatischen Gründen: Oft passt ihr Geburtsname einfach nicht zu dem Werk, das sie veröffentlichen. So zum Beispiel bei Samuel Langhorne Clemens: Als Mark Twain schrieb er Tom Sawyer und wurde, vielleicht auch wegen seines Künstlernamens, weltberühmt. Sugarman - Der Musiker Sixto Díaz Rodríguez Autor: Ulrich Zwack / Regie: Sabine Kienhöfer Was für eine Geschichte! Da nimmt in den frühen 1970er-Jahren ein Singer-Song-Writer namens Sixto Diaz Rodriguez in den USA und in England zwei Langspielplatten auf. Weil sich beide offenbar als Flop erweisen, hängt er die Gitarre schließlich wieder an der Nagel und schlägt sich als Sozialarbeiter, Tankwart und Bauarbeiter durchs Leben. Aber in so fernen Ländern wie Australien oder Südafrika sind die Platten keine Flops, sondern regelrechte Bestseller. Vor allem im noch von der Apartheidpolitik geprägten Südafrika besitzt Rodriguez, alias "Sugarman", wie man ihn dort nach einem seiner Lieder auch nennt, Kultstatus, gilt er gewissermaßen als zweiter Bob Dylan. Die Plattenfirma verschweigt dem Musiker allerdings den Erfolg, zahlt ihm keinen einzigen Cent an Tantiemen. So erfährt Sixto Rodriguez selber von seinem Ruhm erst 1998, als sich südafrikanische Journalisten auf die Suche nach dem geheimnisvollen Sugarman begeben und auch tatsächlich fündig werden. Seitdem gibt er wieder regelmäßig Konzerte. Und der schwedische Dokumentarfilm "Searching for Sugar Man", der die Suche nach Rodriguez zum Thema hat, gewinnt 2013 sogar einen Oskar. Moderation: Christian Schuler Redkation: Petra Herrmann
Dienstag 09:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Zäsur "38 - Flucht in eine andere Sprache

Schriftstellerinnen im Exil (2). Gestaltung: Ulrike Schmitzer Die Wiener Schriftstellerin Vicki Baum war schon ein Star, als sie 1932 nach Kalifornien emigrierte. Sie war die erste Bestsellerautorin des deutschsprachigen Buchmarkts. Nach der Verfilmung ihres Buches "Menschen im Hotel" mit Greta Garbo übersiedelte sie für eine Publicity-Tour nach Kalifornien. Die Nationalsozialisten begannen gegen sie zu hetzen, setzten sie 1933 auf die sog. "schwarze Liste" der verbotenen Bücher, 1938 wurde sie ausgebürgert. Da hatte sie sich schon eine neue Existenz aufgebaut. Nicht alle Schriftstellerinnen hatten so viel Glück. Mela Hartwig zum Beispiel emigrierte 1938 nach England, konnte dort aber nicht mehr als Schriftstellerin reüssieren und arbeitete als Sprachlehrerin. Veza Canetti wurde als Jüdin und Sozialistin von den Nazis mit Berufsverbot belegt und flüchtete 1938 mit ihrem Mann Elias Canetti nach England, wo sie 1963 starb. Annemarie Selinko heiratete 1938 nach Dänemark und schloss sich dort der Widerstandsbewegung an. 1954 schaffte auch sie den Sprung nach Hollywood. Ihr Buch "Désirée" wurde mit Marlon Brando verfilmt. Die Flucht bedeutete auch die Flucht in eine andere Sprache. Vicki Baum eröffnete ihre Lesungen am Anfang ihrer Amerikazeit gerne mit den Worten: "Bitte entschuldigen Sie mein lousy Englisch".
Dienstag 09:30 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg - Ausloten der traditionellen Grenzen

100 Jahre Gottfried von Einem (2). Gestaltung: Gerhard Hafner Vor 100 Jahren, am 24. Jänner 1918, erblickte Gottfried von Einem, als (außerehelicher) Sohn eines k. u. k. Militärattachés und der für ihre Diplomatie international renommierten Gerta Louise von Einem, in Bern das Licht der Welt. Als 20-Jähriger kam Gottfried von Einem als Korrepetitor an die Berliner Staatsoper, später assistierte er in Bayreuth. 1943 wurde sein "Concerto" von Herbert von Karajan uraufgeführt. Die Blitzkarriere des Komponisten erhielt einen Dämpfer, als die Gestapo gegen von Einem wegen Verdachts auf Landesverrat ermittelte. Streitbar war Gottfried von Einem sein ganzes Leben. Das reichte von seinem Rücktritt aus dem Direktorium der Salzburger Festspiele wegen seines couragierten Einsetzens für Bertolt Brecht bis hin zu den Turbulenzen wegen der Blasphemie-Vorwürfe gegen seine Oper "Jesu Hochzeit". Für dieses unter lautstarken Protesten im Mai 1980 bei den Wiener Festwochen uraufgeführte Werk, hatte von Einems zweite Ehefrau, Lotte Ingrisch, das Libretto verfasst. Die große Leistung von Einems lag vor allem in seinem musikdramatischen Schaffen, hierbei insbesondere in der Gattung der Literaturoper. Angefangen von seinem ersten großen Erfolg der 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Oper "Dantons Tod" nach Georg Büchners gleichnamigen Drama. Auf Büchner folgten "Der Prozess" (Kafka), "Der Zerrissene" (Nestroy), "Der Besuch der alten Dame" (Dürrenmatt) und Schillers "Kabale und Liebe". Daneben entstand ein Reigen von Instrumental-, Vokal- und Kammermusikwerken sowie das Ballett "Medusa". Gottfried von Einem, der in Wien liebevoll - spöttisch nur "der Eine" genannt wurde, war einer der wenigen Komponisten, die unbeirrt an den Gesetzen der Tonalität festhielten. Er war so kühn und ehrlich, seine Vorliebe für Konsonanzen, Tonalität oder leicht erkennbare Chiffren zu zeigen. Er riskierte es oft und gern gegen den Strom zu schwimmen und sich mit den politisch oder geistig Mächtigen anzulegen. Natürlich hat von Einem in mancher Hinsicht auch die Postmoderne vorweggenommen, aber dafür schämte er sich auch nicht: er ging unbeirrt einen österreichischen Sonderweg.
Dienstag 09:45 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

blindenSehen, tasten, riechen: wie Sinne erlebt werden Das Motiv des Blinden Mit der Haut sehen Düfte beschrieben Immer der Nase nach Das Kalenderblatt 23.1.1777 Dichter Christian Schubart verhaftet, der "scheintote" Dichter Von Isabella Arcucci Das Motiv des Blinden - Mit der Haut sehen Autor und Regie: Frank Halbach Blendung, blind werden: seit der Antike in Erzählungen und Sagen der Inbegriff härtester Strafe. Blindheit, blind sein: schon in der griechischen Mythologie eine Voraussetzung für eine höhere Wahrnehmung: Teiresias erblindet, weil er die nackte Göttin Athene beim Bad erblickt. Zugleich erhält er eine höhere Form der Einsicht, er wird zum Seher, zum Propheten - blind für das allen zugängliche Sichtbare, empfänglich für das allen Verborgene, das Unsichtbare. Das Schicksal des Teiresias steht dabei exemplarisch für das Motiv des Blinden, dem sich alternative Bildwelten und besonderes Wissen, um den Preis des Augenlichts, erschließen. Der Topos vom Blinden findet sich von der Antike über die Bibel, von Vladimir Nabokovs Roman "König Dame Bube", über José Saramagos "Die Stadt der Blinden" oder Max Frischs "Mein Name sei Gantenbein" bis zum Lied "Amazing Grace" oder Lena Valaitis" Song "Johny Blue". Die Interpretation von Blindheit steht seit jeher im Spannungsverhältnis zur Interpretation von Sehen. Als Sujet von Kunst und Literatur repräsentiert der Blinde dabei eine spezifische Form auch der visuellen Wahrnehmung. Düfte beschrieben - Immer der Nase nach Autorin und Regie: Anja Mösing Schon im Urmeer gehörte er zur Grundausstattung des Lebens, der Geruchssinn. Er war es, der unseren urzeitlichen Vorfahren in der wässerigen Umgebung zur Orientierung diente. Und Gerüche oder Düfte leiten uns noch heute, nur sind wir uns dessen selten bewusst. Aber Dichter und Denker erleben und schreiben seit je über die Vielfalt der Auswirkungen von Düften auf uns Menschen. Von Friedrich Schiller wissen wir heute, dass ihn faulige Düfte kreativ machten, Baudelaires berühmte Gedichte "Fleurs du mal", die "Blumen des Bösen", schwelgen geradezu in Duftbeschreibungen, und Marcel Proust führte in einer Passage seines großartigen zehnbändigen Werks "Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit" geradezu exemplarisch vor, wie ein Duft es schafft, präzise Erinnerungen an die Kindheit frei zu setzen. In dieser Sendung werden solche literarischen Duft-Szenen auf den Prüfstand gestellt: Der bekannte Geruchsforscher Hanns Hatt gibt Auskunft, wie viel wissenschaftliche Realität in literarischer Duft-Fiktion steckt. Moderation: Kristina Thiele Redaktion: Petra Herrmann
Dienstag 15:05 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Deutschlandfunk

Das Feature

Welcome to Hell Warum der G20-Gipfel im Desaster endete Von Rainer Link Regie: Anna Panknin Produktion: Dlf 2018 Beim G20-Gipfel in Hamburg sollten 31.000 Beamte Staatsmänner und -frauen von den Gipfelgegnern abschirmen und Ausschreitungen verhindern. Es war das größte Polizeiaufgebot in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Konzept ging nicht auf. Der Gipfel endete im Desaster. Es kam zu einer der härtesten Schlachten, die jemals auf deutschen Straßen zu beobachten waren. Ganze Straßenzüge befanden sich für Stunden in den Händen des selbsternannten Schwarzen Blocks. Das Feature blickt hinter die Kulissen: Wer sind die Aktivisten, die sich mit den Sicherheitskräften Straßenschlachten lieferten? Haben Fehler im Einsatzkonzept der Polizei dafür gesorgt, dass Beamte zeitweilig vor ihrer Aufgabe kapitulierten? Welche Rolle spielte die sogenannte Hamburger Linie der Polizei - also der Verzicht auf Deeskalation und besondere Härte im Einsatz? Welche Verantwortung trägt die Politik? Welcome to Hell
Dienstag 19:15 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

deutscher BürokratieOhne geht"s nicht. Mit aber manchmal auch nicht Über Notwendigkeit und Übel deutscher Bürokratie Von Stephanie Kowalewski Ohne ein amtliches Formular, ohne einen Gang zu einer Behörde, ohne Stempel, Wartezeit und oft auch Ärger und Unverständnis können wir in Deutschland kein Auto anmelden, kein Pflegegeld beziehen, kein Kind inklusiv beschulen lassen, kein Unternehmen gründen. Tausende Vorschriften regeln unseren Alltag, sorgen einerseits für Sicherheit und andererseits für Verdruss. Die Bürokratie raubt uns Zeit und Energie, kritisieren Experten und Betroffene unisono. Sie kostet Bürger und Unternehmen Milliarden Euro - jedes Jahr. Die Klage über zu viele Regeln ist so alt wie die Bürokratie selbst. Die Politik hat das offenbar erkannt. In keinem Parteiprogramm, in keinem Koalitionsvertrag fehlen Schlagworte wie Entbürokratisierung oder Bürokratiebremse. Doch was bringt das? Was wünschen sich die Bürger, was die Unternehmer? Was ließe sich ändern und was nicht? Das Feature sucht nach Antworten und schaut auf die Vor- und Nachteile unserer allgegenwärtigen Bürokratie.
Dienstag 19:30 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

NDR kultur

Feature

selbstfahrende autosAbschied vom Faktor Mensch Feature über selbstfahrende Autos und die Moral der Algorithmen Von Jörn Klare NDR 2016 Glaubt man den Ingenieuren von Daimler oder Google, werden selbstfahrende Autos unser Straßenbild bald radikal verändern. Gesteuert durch einen Computer, werden diese Automobile selbstständig das Tempo erhöhen oder auf die Bremse steigen und angeblich die Unfallgefahr deutlich verringern: Delikte wie Alkohol am Steuer oder Ablenkung durch Mobiltelefone soll es dann nicht mehr geben. Nach welchen Kriterien entscheidet eine Maschine, ob das Auto in einen Menschen hinein rast oder lieber an den Laternenmast? Es ist nicht lange her, da ist ein Mensch durch sein Vertrauen in diese Technik ums Leben gekommen. Download unter www.ndr.de/radiokunst 20:00 - 20:05 Uhr Nachrichten, Wetter
Dienstag 20:00 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren

Ö1

Radiokolleg

gottfried von einemSind wir Science-Fiction? Zukunftssuche in der Vergangenheit (2). Gestaltung: Julia Gindl Zäsur "38 - Flucht in eine andere Sprache. Schriftstellerinnen im Exil (2). Gestaltung: Ulrike Schmitzer Ausloten der traditionellen Grenzen. 100 Jahre Gottfried von Einem (2). Gestaltung: Gerhard Hafner
Dienstag 22:08 Uhr

Zum ProgrammReinhörenTermin

Reservieren